Quadro Nuevo
Tango bitter sweet
 
Quadro Nuevo
„Tango bitter sweet“
“GLM”

Die Frage nach dem Cover der CD ist vollkommen berechtigt: Was macht die Frau mit der Tischdecke? Vielleicht hat sie nach einem romantischen Dinner Streit mit ihrem Liebhaber oder sie werden sich gleich im Nebenzimmer lieben und sie hält sich halbherzig an der Tischdecke fest. Bittere und romantische Momente sind der Inhalt der Welt von Quadro Nuevo, in der man nie genau sagen kann, in welcher Phase man sich gerade befindet. Ich habe diese CD in den letzten Wochen in allen möglichen Stimmungslagen gehört und sie hat immer eine ganz eigene Ausstrahlung und prägt den Moment. Ein größeres Kompliment kann man Quadro Nuevo kaum machen, denn sie sind eine Liveband. Mit um die 150 Konzerte im Jahr, gehören sie ganz sicher auch zu den meistbeschäftigsten Jazzbands Deutschlands. Dabei hat alles ganz einfach angefangen. Wie so oft. Man traf sich 1996 in der Nähe von Salzburg und man sollte ,mit Saxophone, Gitarre, Kontrabass und Akkordeon eine Filmmusik für den ORF aufnehmen. Bis heute wissen die vier nicht, ob dieser Film jemals gezeigt wurde, doch in diesen Tagen begann eine einmalige Musikergeschichte. Alle vier kommen aus so unterschiedlichen Bereichen, dass man gar nicht auf die Idee kommen würde, sie zusammen musizieren zu lassen. Vom Jazz bis hin zu Latin und Orchester spielten alle Erfahrungen zusammen. Das machte schon von Beginn an in der Karriere den Reiz der inzwischen fünf Platten aus, die sie herausbrachten und von denen sie 160 000 Exemplare verkauften und völlig zu Recht 14 Jazz Awards bekamen. Aber was bedeuten schon die Zahlen? Wir haben es hier mit einer instrumentalen Tangoplatte zu tun und hier geht es um Leidenschaft, Liebe, Romantik, Temperament Sehnsucht und Stolz. Das alles ist bei jedem der einzelnen Stücke zu hören. Es ist die Musik, nein die Kultur Europas. Hier sind Zigeuner am Werk, die mit einem einmaligen Timing Akzente setzen und Bitterkeit und Süße mit großer Hingabe spielen. „Tango Bitter Sweet“ verbreitet eine solche Sehnsucht nach Wärme, Sommergerüchen und Schmetterlingen, dass es einem ganz schwindlig wird. Und schon im nächsten Moment befindet man sich in einem Jazzclub im Keller, in dem wunderschöne Damen mit eleganten Herren den Tango tanzen. Und dann diese Band: „So kamen sie denn endlich an. Viel zu spät. Mit ihren zerknitterten Anzügen und in den spitzen Schuhen der Narren“. Schon hört man im Hintergrund das wehmütige Saxophone mit dieser traurigen und schönen Melodie und das Akkordeon zieht sacht das Tempo an, lässt die Damen in den roten Kleidern herumwirbeln und bringt uns dennoch zum weinen. Selbst der Schlagerklassiker aus den 70er Jahren von Dalida „Paroles, Paroles“ klingt so leidenschaftlich wie nie. Da steht auch der andere Klassiker „L‘ ètè indien“ von Joe Dassin in keiner Sekunde hinten an. Quadro Nuevo nehmen uns an die Hand und reisen mit uns durch Europa, mit all ihrer Leidenschaft, mit ihrer Verve und ihrer Liebe zu ihren Instrumenten. Von dieser Platte kann man nie genug bekommen und wenn man das mehrsprachige Cover wieder und wieder zur Hand nimmt und darin blättert wie in einem Kunstband, dann beginnt die Reise noch ein Stück visueller zu werden. Mit all den kleinen Weisheiten des Lebens und der Liebe. Die Geschichte einer Liebe im Spätsommer, mit 
ihren Düften und den engen Straßen. Das ist Inspiration pur und wenn sie ihr Titelstück schon mit einem Buch das ebenso heissen soll wie die Platte „Tango bitter sweet“ ankündigen, dann ist es uns egal, wie sehr wir daran glauben. Wen interessiert es schon was morgen passiert, wenn wir dieses Kleinod in den Händen halten. Es ist wie es ist und eine berühmte argentinische Definition vom Tango lautet: Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann. Tanzen kann, aber nicht muss. Man kann ihn auch anhören, ihn geniessen, ihn verschlingen. Und allzu traurig muss er auch nicht immer sein!

Kopierschutz: Nein
I - Pod Fähig: Ja 
Leider nicht als LP erhältlich
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