Josh Ritter
The Animal Years
 
Josh Ritter
The Animal Years 

Josh Ritter hat sich vor ein paar Jahren in Irland auf einem Konzert dafür bedankt, dass er inzwischen von seiner Musik leben kann. Es soll ein ergreifender Moment gewesen sein, aber sicher nur halb so ergreifend, wie diese Platte, die uns nun vorliegt und eine wegweisende in Sachen Songwriter in diesem Jahr sein sollte. 
Der Weg zum großen Erfolg war aber auch für Josh Ritter ein steiniger, denn
manchmal dauert es ein bisschen, bis die Qualität eines großen Songschreibers erkannt wird. Der Prophet im eigenen Lande...den Rest kennen sie. 
Josh Ritter, in der kleinen Collegestadt Moscow im Nordwesten Idahos geboren und aufgewachsen, war bis zu seinem Album „Hallo Starling“ trotz früherer Alben ein Nobody. Ganz anders in Irland, in dem Land, in dem man Songschreiber ohnehin mehr ins Herz geschlossen hat, denn auf der grünen Insel ist er ein Star. Stück für Stück, erkennen nun aber auch die Amerikaner, wen sie da in den eigenen Reihen haben und mit welcher poetischen und musikalischen Kraft Josh Ritter zu Werke geht. Da er mit seinen 30 Jahren zu jung für die Grunge Welle in seiner Jugend war, orientierte er sich eher an Größen wie Johnny Cash und Bob Dylan. Dass aus diesem Einfluss, ein neuer Bruce Springsteen entstehen könnte, wird bei seinem neuen Album „The Animal Years“ schnell klar. Während seine Kollegen wie Ryan Adams, die ebenfalls in seiner Liga spielen, etwa drei Alben pro Jahr herausbringen, lässt Josh Ritter sich Zeit. Das gleiche gilt auch für jeden der elf Songs auf seinem Album. Natürlich, sie faszinieren schon beim ersten Hören, doch bei jedem Mal entfalten sich noch größere Räume, große Sätze und ein schier unerschöpfliches musikalische Spektrum. Mit ungeheurer Cleverness und einer musikalischen Intelligenz, schafft er es, aus jedem der Songs ein kleines Meisterwerk zu zaubern. Es sind Songs, die einen so gefangen nehmen und von einem solchen Feuer sind, dass der zehnminütige Song „Thin blue flame“ eine Untertreibung ist. Zehn Minuten lang gibt Josh Ritter Sätze wie He went down and made the world in seven days / And ever since he's been walking away" von sich und dabei wird aus dem eher ruhigen Josh Ritter ein wütender Songpoet, der die Instrumente zu einem bedrohlichen Gewitter heranwachsen lässt. Ein Mann, der etwas zu sagen hat und sich nichts mehr vorschreiben lässt. Was sich gegen Ende der Platte in „Thin blue Flame“ entlädt ist das Ergebnis von Songs, die um Liebe, das Leben und die großen Zusammenhänge handeln. „Wolves“ ist ziemlich zu Beginn der Platte auch so ein Meisterwerk, mit einer hitverdächtigen Hookline, die das Zeug zum Song des Jahres hätte. Auch in seiner Heimat hat man die Qualität inzwischen erkannt und verlieh ihm für „Kathleen“, den besten Song seines Vorgängeralbums „Hallo Starling“, den Preis für den Song des Jahres beim Bostoner Musicaward. Und wenn man von „The animal years“ sich schon mal einen Song herauspickt, so könnte man ganze Bücher über die Ideen, die Texte und die Art des Songschreibens verfassen. Manchmal muss man genau hinhören und wenn man das tut, dann entdeckt man bei jedem der Songs etwas besonderes, eine eigene Idee, eine Tragik oder einfach nur ein Instrument, dass sich wie ein roter Faden durch die Songs zieht. Bei „The animal years“ ist besonders der Pianist Sam Kassirer zu erwähnen. Auch wenn das Piano nur selten die tragende Rolle übernimmt, spielt es die ganze Zeit über eine fast selbstständige Melodie und erschafft neue Räume. Für diese Produktion und diese Einzigartigkeit könnte man Josh Ritter schon zum Ritter schlagen und sich sogar zu Kalauern hinreissen lassen. Dass Josh Ritter auch an den einfachen Melodien seinen Spaß hat, beweist er übrigens bei „Illian Egypt“ bei dem seine Sing a long Passagen tatsächlich an Springsteen erinnern, ohne ihn jemals zu kopieren. „The animal years“ gehört bei jedem Springsteen, Dylan oder Ryan Adams Fan in den Plattenschrank, damit er immer wieder herausgezogen und aufgelegt werden kann. Josh Ritters Meisterwerk „The animal years“ hat diesen Platz verdient.
Josh Ritter
Hello Starling
Ron Sexsmith
Retriever
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