John Auer
Songs form the year of our demise
 
Jon Auer
Songs from the year of our demise
(Devil Duck Records)
 
Wenn ein Künstler wie Jon Auer, der immerhin als Mitglied bei den Posies und Big Star ein Star in der amerikanischen Alternative Rockszene ist, dann ist man mehr als gespannt, wenn er nach fünfjähriger Arbeit sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Sein Partner Ken Stringfellow hat schon drei sehr hörenswerte Soloalben herausgebracht und so könnte man denken, dass „Songs from the year of our demise“ sozusagen die Antwort ist. Um es klar zu sagen, es ist nicht die Antwort, es ist das songorientierteste und vielleicht beste Album, an dem Jon Auer jemals mitgearbeitet hat. Natürlich dürfen wir die Alternative Hits „Dream all day“, Flavour of month“ oder das wunderschöne und düstere „Coming right along“ der Posies nicht vergessen. Ganz zu schweigen von ihrem Meisterwerk „Frosting the beater“ mit „Solar Sister“, einem Geheimtipp aus dem Jahr 1993. Geheim war allerdings nie, dass „Frosting the beater“ das beste Posies Album war. Natürlich sind die Posies selbst in dieser Zeit  immer nur einer sehr kleinen Musikgemeinschaft ein Begriff gewesen. Vielleicht hat man in den Jahren der Grunge Musik mal von ihnen gehört, doch gekauft, haben nur wenige Musikfans die Alben der Posies. Zu unrecht, den solchen Musikern würde man es gönnen, wenn sie sich auch mal zurücklehnen könnten und das Leben aus der Distanz geniessen zu könnten. Jon Auer hat sich nun trotzdem diese Zeit genommen und SEIN Album aufgenommen. Es ist aber eben ein Unterschied, wenn ein paar amerikanische Jungs zusammen sitzen und Songs schreiben und produzieren, als wenn sich ein Mann wie Jon Auer, der mittlerweile auch nicht mehr der jüngste ist, sich hinsetzt, über sein Leben nachdenkt und fünf Jahre lang daran tüftelt, es in Musik umzusetzen. Jon Auer ist ehrlich. Es geht um seinen Alkoholismus in den wilden Jahren, immer wieder von seiner zerbrochenen Liebe und der Erkenntnis, dass die erste Frau doch die Beste war und sie geheiratet gehört. Diese Platte ist eine persönliche Platte und selbst wenn während der fünf Jahre der Produktionszeit sein Kumpel und Partner Ken Stringfellow (heißt der eigentlich wirklich so ?) vorbeischaute und seine Hilfe anbot, wurde er immer wieder weggeschickt, denn „Songs from the year of our demise“ ist eine persönliche Angelegenheit. Mehr noch, es ist eine einsame Angelegenheit, denn das erste Mal spielte Jon Auer alle Instrumente selbst ein und produzierte sie auch selbst. Zum ersten mal seit dem Posies Debüt Album, setzte er sich sogar wieder hinter das Schlagzeug. Back to the roots gehört eben mit zur Verarbeitung einer zwanzigjährigen Karriere im Rockgeschäft. Aber wie es eben so ist, man kann als Mitglied einer Alternative Band nicht davon Leben, sich nur mit einer neuen Platte zu beschäftigen, man muss auch etwas herausbringen und auch das ist in den Jahren passiert. Es entstand ganz nebenbei das sechste und sehr hörenswerte Album der Posies im letzten Jahr und Jon Auer investierte viel Zeit und Kreativität in die reformierten Big Star und half William Shatner bei seinem Album. „Songs from the year of our demise“ ist im ganzen vielleicht eine Spur ruhiger geworden als die letzten Alben, es ist zugleich aber auch ein bisschen poetischer gelungen. Besonders gut wird Jon Auer immer, wenn er auf den typischen Posies Stil zurückgreift und mehr aus dem Hintergrund singt. „You used to drive me around“ ist so ein Beispiel. Während die Gitarre eine unwiderstehliche Hookline spielt, kann man den Gesang von Jon Auer nie richtig greifen. Hinzu kommen die Streicher Arrangements, die allerdings vom Keyboard kommen. Schade, hätte er mehr Geld verdient, wären sie echt gewesen. Leider hört man es eben immer raus. Dafür sind die Gitarren echt und bei „My sweet unknown“ hört man seinen ehemaligen Partner Alex Chilton heraus. Viele vergessen, dass Alex Chilton auch mal zur Urbesetzung der Posies gehörte und vielleicht derjenige war, der der Band als einziges Mitglied bis heute ein Markenzeichen aufdrückte. Was bis heute geblieben ist, ist die Schönheit der Melodien und die sind gerade bei „Songs from the year of our demise“ wieder in den Mittelpunkt gerückt. Jon Auer hat es geschafft mit seinem ersten Soloalbum eine Zeitlosigkeit zu schaffen, die besonders in der modernen Rockmusik aus Amerika derzeit schwer zu finden ist.

Kopierschutz nein
I Pod fähig ja
Nicht auf Vinyl erhältlich
The Posies - Every Kind of Light
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