Noch vor 20 Jahren waren Familienunternehmen Firmen, die an den familiären Nachwuchs weitergeleitet wurden. Natürlich gibt es sie immer noch, nur in den meisten Fällen werden sie irgendwann verkauft oder gehen Pleite. Dennoch hat der  Gedanke von Familienunternehmen besonders in künstlerische ausgerichteten Unternehmen nichts von seinem Charme eingebüßt. Das kleine Plattenlabe Hotel van Cleef ist eine Art von Familienunternehmen, wenn man es mit der Blutsverwandtschaft mal nicht zu genau nimmt. Es ist dem Fleiß, der Ausdauer und auch dem Idealismus zu verdanken, dass dieses Hamburger Label plötzlich sogar in dem deutschen Film von Jürgen Vogel, rund um die Hansen Band, eine tragende Rolle im Kino spielte. Felix Gebhardt war der Bassist bei den 10 Songs, die sie gemeinsam mit Tomte und Kettcar Mitgliedern für den Film komponierten. Nun ist Felix Gebhardt ganz sicher nicht der Typ, der seinen plötzlichen Ruhm ausnutzt und schnell noch aus wirtschaftlichen Gründen eine Soloplatte nachschiebt, doch wäre es auch schade gewesen, wenn sein Projekt Home of the Lame komplett in der Versenkung verschwunden wäre. Sein Album „Here of all places“ ist es nämlich wirklich wert gehört zu werden. Auf den ersten Blick ist es eine Singer Songwriter Platte, die mit all den Eigenheiten lebt, die einem ambitionierten Musiker inner wohnen. Auch sind auf den ersten Blick die Songs nicht unbedingt brillant, doch es kristallisieren sich bei jedem mal Hören, immer mehr ganz wunderbare Melodien und Ideen heraus. Die Platte braucht also ein bisschen Zeit und dann erinnert sie uns an andere, längst ins Herz geschlossene Singer Songwriter und anderen Poeten. So ist „Mirror Mirror“ ein, in bester „Luka Bloom Tradition“ gespielter und gesungener Song. Nur die Eigenart der akustischen Gitarre eines Luka Blooms kommt nicht zum tragen. „Home of the Lame“ haben eine ganz eigene Art, die Gitarre in die Songs einzubauen und vor allem ist sie vielfältiger. Gleich nach „Mirror Mirror“ haben wir es bei „Secret“ plötzlich mit einem Gitarrenriff von Lou Reed zu tun, nur mit dem Unterschied, dass er seit Jahren so etwas nicht mehr hinbekommen hat. „Secret“ ist auch der einzige wirklich schnellere Song, der richtig rockt und fast ein bisschen aus dem Konzept bricht. Obwohl Felix Gebhardt für den Jürgen Vogel Film mit seine Musik eine eher coole und zeitgemäße Figur abgibt, spielen Home of the Lame sich im traditionellem ab. Das ganze Album strahlt eine gewisse Zeitlosigkeit aus. Nichts hören wir hier das erste mal, doch „Here of all places“ ist eine Platte, mit der man sich wohlfühlt, mit der man an grauen Tagen sich eine schöne Stunde machen kann und die uns eine ganze Menge an Geschichten erzählt. Im Mittelpunkt stehen die Widrigkeiten der Zweisamkeit. Die sind nicht immer einfach und bei Felix Gebhardt sind sie es natürlich auch nicht. Viele Geschichten kennen wir aus dem eigenen Leben, aus dem Leben von Freunden oder aus guten Büchern. Warum die Platte in Schweden produziert wurde, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Doch vielleicht ist Tore Johansson, der schon für den Sound der Cardigans verantwortlich war, genau der richtige zwischen hippness und zeitloser Musik. Und wie es unter Freunden und in der Familie so ist, könnten da noch weitere deutsche Produkte in Schweden produziert werden. Die Familie Grand Hotel van Cleef scheint bereit für Nachwuchs zu sein.
Home of the Lame
„here of all places
Madsen
Madsen
Hansen Band
Keine Lieder über Liebe
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